Überblick über die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts

Wir sind dabei, das 20. Jahrhundert zu verlassen. Aber wieviel kennen Sie die deutsche Literatur dieses Jahrhunderts? Insbesondere aber die deutsche Literatur zur letzten Jahrhundertwende?
Die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch die literarischen Umwälzungen, die insgesamt als Literaturrevolution bezeichnet werden. Betrachtet man die Geschichte seit der Jahrhundertwende, entstanden diese literarischen Umwälzungen nicht aus einer wirtschaftlichen Hochkonjunktur, sondern aus den sozialen und wirtschaftlichen Umwwälzungen dieses Jahrhunderts. Sie entwickelten sich in zahlreichen literarischen Strömungen: Der Naturalismus wird oft als erste Phase und die ästhetisierenden Gegenströmungen (Symbolismus, Impressionismus) als zweite Phase (auch erste und zweite "Moderne") der Literaturrevolution bezeichnet. Weitere neue Strömungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind: Futurismus (in Italian und Rußland), Expressionismus, Sturmkreis (in Deutschland), Dadaismus (in der Schweiz, in Deutschland und Frankreich), Kubismus, Surrealismus (in Frankreich), Poetismus (in der Tschechoslowakei).

Es geht um eine Generation junger Schriftsteller, die von der naturwissenschaftlichen und technischen Entwicklung vom ersten Weltkriegs sowie von den neuen Ideologien (Freud, Einstein, Marxismus, Nieztsche, usw.) am tiefsten beeindruckt wurden und sich gruppierten, um neue Stoffe und Stile zur dichterischen Gestaltung zu finden. Diese oft kurzlebigen und rasch fluktuierenden Tendenzen und Gruppierungen haben es gemein, das Bildungsbürgertum und sein Dichtungsverständnis, überhapt die traditionellen Dichtungsformen und bürgerliche Ästhetik radikal und provokativ abzulehnen, neue Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen und zu experimentieren, z.B. Symbole und Metaphern für Symbolismus, Schrei und Ausdruck für Expressionismus.

Sie versuchten auch, ihre Methoden stets zu radikalisieren, sich innerhalb der gesellschaftlichen Bewegungen zu engagieren, sich an jeweiligen Ideologien zu binden. Der italienische Futurismus verherrlichte z.B. den Krieg und bekannte sich zum Faschismus, der Züricher Dadaismus dagegen befürwortete einen bedingungslosen Pacifismus und der russische Futurismus umarmte den Marxismus und Kommunismus. Innerhalb einer Bewegung gab es auch widerspruchsvolle Gruppierungen: Der Züricher Dadaismus war z.B. gegen den Berliner Dadaismus und der Surrealismus in Frankreich war auch in sich zerstritten.

Diese literarischen Strömungen waren vielperspektiv, widersprüchlich und ersetzten sich rasch. Autoren, die sich einer gewissen Strömung angehörten, blieben nicht in der jeweiligen Strömung stehen, sondern veränderten sich mit der Zeit. Viele Expressionsiten z.B. schlossen sich später der neuen Sachlichkeit an.

Trotz dieser Unterschiede ist die Bezeichnung der Literaturrevolution berechtigt, weil die dichterischen Radikalisierungen und Erneurungen aller Strömungen und Gruppierungen zugleich die tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen widerspiegeln.


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